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ASYFAIR – Eine kritische, interdisziplinäre Studie für ein gerechtes und konsequentes Asylsystem in Europa

“Fairness” ist subjektiv und oft im Auge des Betrachters. Aber was ist Fairness in Gerichtsverfahren?

Wir sind alle davon überzeugt, dass egal in welchem unabhängigen Gericht unser Fall gehört wird, die gleichen Verfahren und Fairness angewendet werden.

Wir sind auch der Ansicht, dass die Welt außerhalb des Gerichtes – wie z.B. Politik, öffentliche Diskurse und Medien – keinen Einfluss auf Gerichtsverfahren haben soll. Aber einige Forschungsarbeiten deutet darauf hin, dass Gerichtsverfahren von dem, was außerhalb der Gerichte stattfindet, beeinflusst werden, und dass sowohl Gerichtsverfahren als auch die Ergebnisse von Rechtsfällen zwischen Gerichten abweichen können. Vielleicht haben diese Unterschiede wenig Einfluss auf unseren bestimmten Fall, und unabhängig von äußeren Einflüssen, erfahren wir einen fairen Prozess.

Für Asylsuchende in Europa sind Gerichtsverfahren jedoch sehr problematisch. Asylsuchende, die in einem Zufluchtsort (wie Deutschland) ankommen, haben keine Wahl, wo ihr Fall gehört wird und wer sie repräsentiert (und in welchem Ausmaß). Oft haben Asylsuchende auch keine Kenntnisse von der lokalen Rechtslage, welche Rechte ihnen zustehen, welche Pflichten sie haben, und wie Gerichtsverfahren verlaufen. In den meisten Fällen kommt es auch zu Problemen aufgrund der fehlenden Kenntnisse in der lokalen Sprache, und die meisten Asylsuchenden sind auf Übersetzer angewiesen. Wenn sich Faktoren, die sich auf den fairen Ablauf eines Asylantrags und Berufungsverfahren beziehen, zwischen verschiedenen deutschen Bundesländern und EU-Ländern unterscheiden, kann dies für Asylsuchende gefährlich sein, und Schutzsuchende sind oftmals gezwungen, in die Illegalität zu fliehen um Abschiebungen zu entgehen.

Im Jahr 2013 wurde das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS – Common European Asylum System [CEAS]) ins Leben gerufen, um das Asylsystem in Europa zu vereinheitlichen. Im Einklang mit der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (Artikel 47) strebt GEAS an, das Recht auf ein faires Asylverfahren zu gewährleisten, egal in welchem EU-Land ein Mensch Schutz sucht. Jedoch wurden bisher keine vergleichenden Studien durchgeführt, die Fairness und Einheitlichkeit in Asylverfahren in Europa untersuchen, und eine Vereinheitlichung von konsequenten Grenzkontrollen sowie Asylverfahren in Europa erscheint unmöglich.

Ein interdisziplinäres Team an der Universität Exeter (Großbritannien) hat ASYFAIR ins Leben gerufen – ein Projekt, das die Möglichkeit bietet die Standardisierung des Asylverfahrens in Europa zu untersuchen und zu bewerten.

Dieses langjährige Forschungsprojekt setzt es sich zum Ziel jene Faktoren in gerichtlichen Asylverfahren aufzudecken und zu untersuchen, die erheblich negative Konsequenzen für Schutzsuchende nach sich ziehen können. Um die Risiken bürokratischer und legaler Unstimmigkeiten aufzudecken, verwendet ASYFAIR innovative Methoden um Lösungen zu finden die für alle EU-Länder sowie für Schutzsuchende geeignet sind. Um umfassende Datensätze hervorzubringen, verwenden ASYFAIR Forscher mehrsprachige, juristische Ethnographien, Diskursanalysen, Interviews, sowie quantitative Studien in EU-Ländern, wie z.B. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Griechenland und Ungarn.

In dieser entscheidenden Phase der Konsolidierung des Asylsystems und der Grenzkontrollen in Europa, kann ASYFAIR als intellektuelle Kritik der Informationspolitik und der Gesetzgebung verstanden werden. In diesem Sinne, ist ASYFAIR und dessen Resultate von Interesse für SozialwissenschaftlerInnen, und AkademikerInnen, sowie für JuristInnen, politische EntscheidungsträgerInnen, AktivistInnen, und all denen die im Asylrecht in Europa tätig sind.

Dieses Projekt ist Teil der Sozialwissenschaftlichen Abteilung der Universität Exeter (Legale und Politische Geographie), und wird von dem Europäischen Forschungsrat (European Research Council – ERC) unterstützt.